"No borders, no nations, just people": eine Erkenntnis unserer Reise.

Wie uns die Reise nach El Salvador verändert hat

Wir nehmen vieles von Reisen mit – und das mit allen Sinnen: Die fremden Gerüche der Straßen, unbekannte Geräusche, ein

Wir nehmen vieles von Reisen mit – und das mit allen Sinnen: Die fremden Gerüche der Straßen, unbekannte Geräusche, ein anderes Licht, faszinierende neue Geschmackserlebnisse, tolle Gespräche mit Menschen, die das Leben aus ganz anderen Perspektiven betrachten. Auch El Salvador hat uns verändert.

„Reisejunkie“ Sabine vom Reiseblog ferngeweht.de hat sich gefragt wie Reisen uns verändert und zur Blogparade: Reisen Verändert aufgerufen. Uns hat das sehr gut gefallen und deshalb haben wir hier am Beispiel unserer Reise nach El Salvador drei Punkte zusammengestellt, an denen uns Veränderungen besonders aufgefallen sind:

1. Reisen hilft, Vorurteile zu überwinden

Schon bevor wir auch nur einen Fuß in das kleine Land gesetzt hatten, hatte es uns bereits verändert. Wie das?? Ursprünglich stand El Salvador überhaupt nicht auf unserer Reise-Liste. Wieso sollte man, noch dazu als Familie, in das „gefährlichste Land der Welt“ reisen? Wie bekloppt kann man sein?

Ankunft am Flughafen in El Salvador
Ankunft am Flughafen in El Salvador.

Allerdings hatten wir uns Zielvorgaben gegeben, auf die es keine einfache Antwort gab. Wir wollten in ein spanischsprachiges Land Amerikas, in dem es viel zu sehen gibt, das warm ist und am Meer liegt. Da wir möglichst lange unterwegs sein wollten und als Familie reisten, kamen nur die sechs Wochen Sommerferien in Frage. Damit fiel die Südhälfte Südamerikas schon einmal weg. Und auch im Anden-Hochland kann es zu der Zeit ziemlich frisch werden.

Negative Superlative klicken besser

Insofern beschäftigten wir uns auch mit Ländern, die auf den ersten Blick überhaupt nicht in Frage gekommen waren, wie z.B. Honduras oder eben auch El Salvador. Und wenn man sich dafür etwas Zeit nimmt, wird schnell klar, dass die Berichterstattung vollkommen einseitig ist. Immer wieder werden alte Mordraten-Statistiken hervorgeholt, die einmal ergaben, dass El Salvador das gefährlichste Land und San Salvador die gefährlichste Stadt seien. Solche Geschichten klicken sicher gut, vermitteln aber kein ausgewogenes Bild.

Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast...
Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast…

Nur selten jedoch liest man, dass außer den üblichen, überall vorkommenden Diebstählen noch keinem Tourist in El Salvador etwas schlimmeres zugestossen sein soll. Der Grund für die negativen Statistiken ist, dass es eine intensive Bandenkriminalität gibt. Die beiden größten Banden bekämpfen sich, hauptsächlich in einigen Vierteln der Hauptstadt, mit allen Mitteln. Klingt das einladend? Nein. Muss man das ganze Land daher meiden? Nein!

Fahrender Händler an der Costa del Bálsamo.
Fahrender Händler an der Costa del Bálsamo.

Reisewarnungen für Spanien und Italien

Als Tourist bekommt man davon nicht viel mit. Und die Gewalt hat in den letzten Jahren auch statistisch deutlich nachgelassen. Sogar San Salvador liegt in der Rangliste der gefährlichsten Städte „nur“ noch auf Platz 24 – und damit hinter St. Louis (15) und Baltimore (23) in den USA. Nach absoluten Zahlen kommt Kapstadt auf das Dreifache an Morden. Südafrika hat auch nicht das beste Image, mit dem El Salvadors ist es jedoch nicht zu vergleichen.

Straßenzug in El Salvador.
Straßenzug in El Salvador.

Auch im Global Peace Index 2018 liegt El Salvador auf Rang 116. Das beliebte Urlaubsland Thailand belegt Platz 113 und die USA kommen, noch hinter El Salvador, auf die 121. Position. Mexiko mit seinen Traumstränden liegt noch weiter dahinter.

Im Oktober 2018 verkündete der New Yorker Polizeichef stolz, dass es zum ersten Mal seit 25 Jahren ein Wochenende ohne Schießerei und Morde gab. Oder wusstet Ihr, dass es in Spanien in der Urlaubszeit häufig zu Überfällen auf Touristen entlang der spanischen Autobahnen kommt und dass das Auswärtige Amt dazu rät, sich vor einem Italien-Urlaub in eine „Krisenvorsorgeliste“ einzutragen, damit im Notfall eine schnelle Kontaktaufnahme ermöglicht wird? Sollten wir all diese Länder wirklich meiden?

El Salvador hat ein Imageproblem

El Salvador hat vor allem ein Imageproblem. Auch im Land wurden wir von den Salvadoreños immer wieder gefragt, wieso wir ausgerechnet nach El Salvador gekommen sind. Denn das tun immer noch nur wenige. Im Ranking der meistbesuchten Länder steht El Salvador auf Platz 97.

An der Costa del Bálsamo in El Salvador findet sich die beste Welle Zentralamerikas. Ein Muss für alle Surfer!
An der Costa del Bálsamo findet sich die beste Welle Zentralamerikas. Ein Muss für alle Surfer!

Dabei sind die Vorurteile nicht berechtigt. El Salvador ist ein wunderbares Land. Es bietet an der Küste die beste Welle Mittelamerikas und ist ein wahres Paradies für Surfer. Im Landesinneren gibt es bunte Kolonialstädte, herrliche Seen, viele Vulkane, die bezaubernde Ruta de las Flores, den vielleicht besten Kaffee der Welt, die größte Kakaoplantage Zentralamerikas, verträumte Bergdörfer und die südlichsten Maya-Ruinen. Noch dazu ist das Land so klein, dass man jedes Ziel in kurzer Zeit erreichen kann.

Die große Maya-Pyramide in Tazumal.
Die große Maya-Pyramide von Tazumal.

Und das mit den öffentlichen Bussen! Diese fuhren immer pünktlich! Wirklich: wenn am Plan stand der Bus kommt 1 x am Tag um 14 Uhr, dann kam der Bus eine Minute vor 14 Uhr fröhlich hupend um die Ecke. All unseren Vorurteilen über Pünktlichkeit von öffentlichem Verkehr in Mittelamerika zum Trotz.

Im "Chicken Bus" durch El Salvador. Viel pünktlicher als unser Vorurteil.
Im „Chicken Bus“ durch El Salvador. Viel pünktlicher als unser Vorurteil.

Vor allem aber haben wir in El Salvador die nettesten Menschen getroffen. Auch darüber hatten wir im Vorfeld nichts gelesen, dabei gelten sie auch innerhalb Mittelamerikas als besonders freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit.

Ein Tuc Tuc am zentralen Platz in Juayúa.
Ein Tuc Tuc am zentralen Platz in Juayúa.

Hinterfragen lohnt sich

Es lohnt sich eben immer, genauer hinzusehen und zu recherchieren, sich nicht von Schlagzeilen abschrecken lassen. Mit guter Vorbereitung ist eine Reise nach El Salvador unserer Meinung nach nicht gefährlicher als eine in die USA. Wir haben uns zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt und können es jedem nur empfehlen, sich auf dieses Land einzulassen. Es lohnt sich! Daher: #DontSkipElSalvador

2. Reisen lehrt Dankbarkeit

Seit ich das erste mal eine große Reise gemacht habe, bin ich immer wieder dankbar dafür, so eine Reise überhaupt machen zu können. Und auch unseren Kindern geht es so. Noch Monate nach der Reise reden sie davon, wie großartig es war, neue Erfahrungen in der Ferne zu machen und dass das nicht selbstverständlich ist.

Es wurde ihnen auch bewusst, wie gut es uns eigentlich geht. Nachdem wir die Kinder am Straßenrand sahen, die Melonen verkauften, wurde den Kindern klar, dass nicht nur anstrengend ist, zur Schule gehen zu müssen. Es ist ein Privileg und eine wunderbare Errungenschaft, die leider immer noch nicht allen Menschen zugänglich ist.

Blick auf den Lago de Coatepeque vom Kraterrand aus
Blick auf den Lago de Coatepeque vom Kraterrand aus.

Aber auch die Vielfalt unserer Natur ist immer wieder neu atemberaubend, ob in El Salvador oder an anderen wunderschönen Orten dieser Welt. Nebelwälder, Vulkanlandschaften, die verschiedenen Weltmeere, Riesenschildkröten, Faultiere, Krokodile, bunte Aras, neonfarbene Frösche… es gibt so vieles zu entdecken und es macht Sinn auch im Alltag dazu beizutragen, diese Vielfalt zu schützen und zu erhalten.

3. Reisen eröffnet neue Perspektiven

Auf Reisen lernt man, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Wir nehmen Eindrücke von Menschen mit, die ganz anders sozialisiert wurden als wir. Und das heißt auch, sich selbst aus einer neuen Perspektive zu erleben.

Ganz plakativ konnten wir das bei unserem Großen beobachten. Als großer blonder Junge mit sehr hellem Hautton fiel er in El Salvador ganz besonders auf. Wenn wir in eine Stadt kamen, war ihm die Aufmerksamkeit sicher. Die jungen Mädchen warfen ihm Blicke zu, kicherten und steckten aufgeregt tuschelnd die Köpfe zusammen. Die alten Frauen auf dem Markt pfiffen durch die Zähne und riefen ihm übermütig „¡qué bonito chico!“ (was für ein hübscher Junge) hinterher.

Zuerst reagierte er eher unsicher und schüchtern. Es war einfach ungewohnt und vielleicht auch ein wenig unangenehm, aufgrund seines Aussehens so im Mittelpunkt zu stehen. Allerdings wurde er ziemlich schnell selbstbewusster und fand mehr und mehr Gefallen an dieser so außergewöhnlichen Situation. Zurück in Hamburg war dann plötzlich alles wieder vorbei. Und so resümierte er dann auch bald: „Mama, ist schon komisch wenn keiner mehr pfeift.“

Das koloniale Rathaus in Santa Ana, El Salvador
Das koloniale Rathaus in Santa Ana, El Salvador. Selbst hier fällt man als Tourist auf.

Insgesamt war es mit den Kindern wunderschön zu sehen, wie sie sich in einer komplett anderen Kultur als Beobachter verhalten haben, andere Wahrnehmungen gemacht und sie mit uns geteilt haben. Wie sie sich immer mehr darauf einlassen konnten und lernten, uns auch in fremder Umgebung voll zu vertrauen, aber auch dem Land und seinen Menschen Vertrauen entgegenzubringen.

Wie hat Euch das Reisen verändert? Welches waren Eure prägendsten Ereignisse? Wir freuen uns über Eure Kommentare. Zur Blogparade geht es hier.

8 thoughts on “Wie uns die Reise nach El Salvador verändert hat

  1. Ach wie schön, so etwas zu lesen. Ich war im Februar (im Zuge meiner Weltreise) alleine als Frau in El Salvador und habe mir von so vielen Seiten sonst etwas anhören müssen. Es war im Endeffekt von 18 Ländern mein absoluter und unbestrittener Favorit und Liebling. So kann man sich (und ich mich auch) täuschen, hätte ich nie erwartet. Toller Artikel! 🙂 Esther

    1. Oh, das ist toll zu hören. Wir sind auch echte Fans von EL Salvador geworden. Ich hoffe, es spricht sich rum… Danke für Deinen Beitrag! Wir schauen mal auf Deinem Blog vorbei… LG Thomas

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