Eigentlich ein Ort mit viel Potential: Das Hotel Solisal auf der Halbinsel San Juan del Gozo in El Salvador.

Die Halbinsel San Juan del Gozo: viel Potential

Selten haben wir uns so voller Vorfreude einem Ziel genähert. Die Bahía de Jiquilisco ist eine wunderschöne Bucht im “wilden

Selten haben wir uns so voller Vorfreude einem Ziel genähert. Die Bahía de Jiquilisco ist eine wunderschöne Bucht im “wilden Südosten” El Salvadors. Die Halbinsel San Juan del Gozo verfügt sowohl über die wellenarme Bucht als auch über Zugang zum Meer: karibisches Flair, weiße Sandstrände und – eines der tollsten Hotels El Salvadors.

Im wuseligen Terminal Sur (auch Terminal San Marcos genannt) in San Salvador bestiegen wir den Bus Richtung Bahía de Jiquilisco. Der Bus war etwas größer und moderner und verfügte über einen Frachtraum. Unsere Rucksäcke nahmen wir dennoch mit zu uns auf die Sitze, da wir das erste Mal leichte Zweifel hatten, dass unser Gepäck den gleichen Weg nehmen würde. Nachdem die üblichen Verkäufer durch den Bus durch waren, ging es los mit der zweistündigen Fahrt bis Puerto El Triunfo.

Ankunft in Puerto El Triunfo

Puerto El Triunfo ist ein ziemlich verschlafenes Nest. Unser Bus hielt an einer Straßenkreuzung ohne erkennbare Haltestelle und schmiss uns raus. Der Busbegleiter organisierte uns freundlicherweise noch ein Fahrradtaxi für den Weg von der Endhaltestelle bis zum Hafen für 3$. Ein sehr freundlicher alter Mann mit nur noch wenigen Zähnen nahm uns alle auf seine Ladefläche und strampelte los. Wir boten an, nebenher zu laufen und nur das Gepäck zu transportieren, aber das wurde entschieden abgewehrt: viel zu weit! Keine fünf Minuten im Schritttempo später waren wir am Hafen…

Es dämmert schon, als wir die Halbinsel per Boot endlich erreichen.
Es dämmert schon, als wir die Halbinsel per Boot endlich erreichen.

Dort saßen auf der Hafenmauer einige Männer und einer, Luis, kam gleich auf uns zu. Wir fragten nach öffentlichen Booten, aber da schüttelte er nur den Kopf. Für 25$ brächte er uns gleich rüber zur Halbinsel San Juan del Gozo, wo wir dank Elmers Hilfe (vom Captain Morgan Hostel am Lago de Coatepeque) im Hotel Solisal reserviert hatten. Luis gab uns gleich seine Karte mit Telefonnummer: wir könnten ihn jederzeit anrufen, wenn wir ein Wassertaxi bräuchten. Während der Überfahrt erzählte er uns viel über die Gegend. Mann, waren wir aufgeregt: nach einem ganzen Tag auf Reisen freuten wir uns auf das im Lonely Planet mit Stern ausgezeichnete Paradies und auf eine Abkühlung im dortigen Pool!

Enttäuschung bei der Ankunft auf der Halbinsel San Juan del Gozo

So zumindest beschrieb es der Reiseführer, der das Hotel Solisal auf der Halbinsel San Juan del Gozo mit einem Stern für die besten Hotels einer Region ausgezeichnet hatte. Die Beschreibung war entsprechend: “Geschlafen wird in unterschiedlichen hölzernen Pfahlbauten, vorm Fenster segeln Vögel vorbei und an der Hintertür springen die Fische. Das Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten und Aktivitäten ist für einen derart abgeschiedenen Winkel der Erde beeindruckend. Grüne Mangroven und Vulkane runden die klassische zentralamerikanische Landschaft ab.” Leider existierte die Webseite des Hotels nicht mehr, sodass wir uns vorher keinen aktuellen Eindruck verschaffen konnten. Nur die Facebook-Seite gab einen kleinen Einblick.

Am nächsten Tag zeigt sich, dass das Hotel durchaus Potential hätte.
Am nächsten Tag zeigt sich, dass das Hotel durchaus Potential hätte.

Entsprechend groß war die Enttäuschung, als wir ankamen. Durch die turbulente Anreise war es schon kurz vor Sonnenuntergang und wir waren unter Zugzwang. Noch dazu hatte die Überfahrt in einer Lancha, einem privaten Wassertaxi, 25$ gekostet. Der Lancha-Kapitän wartete zwar, bis wir uns entschieden hatten, aber was sollten wir tun? Wir hatten keine andere Option in der Tasche. Er konnte uns auch nur eine Alternative anbieten, die keine echte war.

Blick auf die Bahía de Jiquilisco.
Blick auf die Bahía de Jiquilisco.

Ein in die Jahre gekommenes Hotel

Man konnte der Anlage noch ansehen, dass sie mal schön gewesen könnte. Alles in die Jahre gekommen: der Pool, der ohnehin leer war, da er gerade gereinigt wurde, die Pfahlbauten-Häuser wirkten alt, schwierig zu sagen ob nur alt oder schmutzig und nicht ansatzweise einladend, der Kinderspielplatz kaum nutzbar, keine Hängematten in den Vorrichtungen dafür. Das “schwimmende Restaurant” war schon kein Restaurant mehr, genauso wenig die Bar. Alles ungepflegt bis zerfallen. Dass die Jetskis kaputt und nicht zu vermieten waren, störte da am wenigsten.

Das “schwimmende Restaurant” und die Bar sind nicht im besten Zustand.
Das “schwimmende Restaurant” und die Bar sind nicht im besten Zustand.

Schon eher, dass die Betreiberin total unfreundlich war. Kein einziges Lächeln war ihr abzuringen, so sehr wir uns auch Mühe gaben. Der freundliche Elmer aus dem Captain Morgan (Werbung, weil Affiliate-Limk*) hatte für uns mit dem Besitzer gechattet und alles bereits ausgehandelt. Der war jedoch nicht vor Ort und hielt es auch nicht für nötig, seine Angestellte zu informieren. Die hatte offensichtlich nicht mit Gästen gerechnet und wirkte eher so, als wären wir ein Störfaktor. Unnötig zu sagen, dass wir die einzigen Gäste waren.

Unser Domizil für die Nacht: Der Pfahlbau direkt an der Bahía de Jiquilisco.
Unser Domizil für die Nacht: Der Pfahlbau direkt an der Bahía de Jiquilisco.

Das Hotel erhält seine Chance

Schweren Herzens beschlossen wir zu bleiben. Der Preis für das Zimmer war mit 35$ immerhin okay, dafür war es sehr eng. Ein größeres aber keineswegs schöneres hätte 55$ kosten sollen. Nein Danke. Also zwängten wir uns hinein. Zum Glück gab es eine Klimaanlage. Dachten wir zumindest, bis wir sie einschalteten. So etwa muss es sein neben einem startenden Airbus zu schlafen. Also lieber schwitzen. Bleiben wollten wir hier eigentlich unsere drei letzten Tage in El Salvador, aber das wollten wir uns nun nicht mehr antun. Pläne sind schließlich dazu da, sie wieder umzuschmeißen. 🙂

Es wurde bereits dunkel. Wir gingen zum Restaurant, das wie eine alte Jugendherberge zu Klassenfahrtszeiten daherkam. Die Anlage war, außer dem Restaurant und minimal bei den Häusern, nicht beleuchtet. Wir saßen gefühlt im Nichts, Nada, Ende der Welt. Nur Hitze und die Betreiberin. Sie ließ uns durstig lange warten, bis sie endlich das vorbestellte Essen servierte, trockener Fisch. Seufz. Um nichts zu riskieren, bestellten wir nur Getränke aus dem Coca-Cola-Konzern, doch meine Fanta war am äußeren Flaschenrand so bedenklich schmutzig, dass selbst der Konsum durch den Strohhalm riskant anmutete.

Kunstvolles Mobiliar im Restaurant des Hotels Solisal.
Kunstvolles Mobiliar im Restaurant des Hotels Solisal.

Hör mal, wer da hämmert

Zum Glück hatte ich noch am Mittag am Busbahnhof eine lokale SIM-Karte mit ein wenig Datenvolumen gekauft, sodass wir das einzig andere akzeptable, dafür aber sehr teure Hotel am anderen Ende der Bahía noch schnell für die nächste Nacht buchen konnten. (Wirklich unglaublich, dass in einer abgeschiedenen Ecke El Salvadors besseres mobiles Internet verfügbar ist, als in so manchem Stadtviertel deutscher Großstädte!) Als wir dann schlafen gingen, fingen die Nachbarn an, Party zu machen und in ihren Pool zu hopsen.

Schließlich schliefen wir schweißgebadet ein. Aber bald hämmerte etwas gegen unsere Tür. Stille. Wir waren völlig auf uns alleine gestellt und im Dunkeln… Nach einer Weile hörten wir den Hund über die Bretter laufen. Und wieder und wieder krachte er gegen die Tür. Ob er einfach spielte, uns beschützen oder doch angreifen wollte… er hat es uns nicht verraten. Mit dem Schlaf wurde es erst im Morgengrauen etwas.

Abfahrt ins nächste Abenteuer.
Abfahrt ins nächste Abenteuer.

Abschied

Zum Frühstück gab es nur traditionelles, d.h. Eier, Bohnenpürree, Tortillas. (Nicht erst die Haare im Bohnenpürree ließen bei uns erneut Zweifel an den hygienischen Zuständen aufkommen.) Den Instant-Kaffee gab es „zum Glück“ in Styropor-Bechern, damit er bei 34 Grad Außentemperatur nicht kalt wird… Zum Abschluss bekamen wir immerhin noch eine inklusive Bootsfahrt, 15 Minuten an den Mangrovenwäldern vorbei. Dann waren wir froh abgeholt zu werden, um doch noch das schönste Hotel der Region kennen zu lernen. Doch das lag nicht mehr auf der Halbinsel San Juan del Gozo, sondern am nahen Kanal Barillas.

Wie es weiterging in der Bahía de Jiquilisco erfahrt Ihr hier.

Habt Ihr auch auch schon einmal so sehr auf einen Ort gefreut, nur um dann den totalen Reinfall zu erleben? Hey, dann schreib uns doch einen Kommentar! Wir freuen uns über jede Eurer Geschichten…


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