Bunte Häuser säumen die Straßen in San José

Auf Entdeckungstour durch San José

Die costa-ricanische Hauptstadt stand nicht wirklich auf unserem Reiseplan. Da man aufgrund von Geographie und Infrastruktur als Backpacker jedoch kaum

Die costa-ricanische Hauptstadt stand nicht wirklich auf unserem Reiseplan. Da man aufgrund von Geographie und Infrastruktur als Backpacker jedoch kaum daran vorbei kommt, haben wir uns San José einmal näher angeschaut.

Die mittelamerikanischen Hauptstädte haben generell eher keinen guten Ruf. Sie gelten als gefährlich, architektonisch mäßig aufregend und bis auf das ein oder andere Museum eher unattraktiv. Vielleicht gibt es auch noch den ein oder anderen interessanten Nachtclub, aber keiner dieser Punkte war für uns als Familie besonders einladend.

Dennoch führt in Costa Rica – besonders als Rucksackreisender – praktisch kein Weg vorbei an San José. Nicht nur politisch und wirtschaftlich ist die Hauptstadt das Zentrum, auch die geographischen Bedingungen führen zu diesem Zentralismus. San José liegt im „Valle Central“, einem Tal, das einen Durchgang durch die vulkanischen Bergketten ermöglicht. Daher führen auch fast alle Verkehrswege und sämtliche Buslinien dort hindurch.

San José ¡vive! (San José lebt!) Die offizielle Brand der costa-ricanischen Hauptstadt am Plaza de la Cultura. Im Hintergrund ist das Nationaltheater zu sehen.
San José ¡vive! (San José lebt!) Die offizielle Brand der costa-ricanischen Hauptstadt am Plaza de la Cultura.

Für Traveller häufig nur Durchgangsstation

Wir waren insgesamt dreimal in San José. Mit dem Flugzeug ankommend, ließen wir die Hauptstadt jedoch schnellstmöglich hinter uns und fuhren direkt weiter in den Nebelwald von Monteverde. Beim zweiten Mal kamen wir von der Karibikküste aus Puerto Viejo de Talamanca. Zum Abschluss waren wir noch einen Tag vor unserem Rückflug erneut in der Stadt zu Gast.

Als wir aus Puerto Viejo de Talamanca nach fünfstündiger Busfahrt ankamen, hatten wir geplant am Busterminal gleich den Anschlussbus nach Montezuma zu nehmen. Doch den verpassten wir knapp. (Die Busse in Costa Rica sind eigentlich relativ pünktlich, aber eben nicht ganz so wie die in El Salvador). Da der nächste erst am folgenden Tag fuhr, hatten wir so die Gelegenheit, uns nun doch einmal auf San José einzulassen – wenigstens für 24 Stunden.

In San José Zentrum

Wir hatten aber schon damit gerechnet und vorsorglich ein (kostenlos stornierbares) Hotelzimmer im Hotel Balmoral (Werbung, weil Affiliate-Link*) reserviert, das übrigens über booking.com sehr viel günstiger war als direkt vor Ort. Das Hotel liegt super-zentral in der Haupt-Fußgängerzone, mitten im Trubel. Und das ist hier mit viel lautem Geschrei verbunden. Vor den Geschäften haben fliegende Händler ihre Decken inklusive der Angebote ausgebreitet und preisen diese lauthals an. Dagegen wollen anscheinend die Ladenbesitzer ankommen: die haben Lautsprecherboxen, aus denen in voller Lautstärke Charts-Musik dröhnt, in ihre Eingangsbereiche gestellt. Manche leisten sich dann noch eine Art Marktschreier, der mit Unterstützung der Technik (Mikrofon) die Straßenhändler an Lautstärke überbietet. Wir bezogen unser Zimmer (zwei getrennte Schlafzimmer mit Doppelbetten und ein schön großes Bad, alles sehr sauber) und erkundeten dann die Gegend.

Die Fußgängerzone in San José ist laut und bunt.
Die Fußgängerzone in San José ist laut und bunt.

Wir hatten das Hotel so gewählt, dass wir mit einem kleinen Spaziergang viele Sehenswürdigkeiten einfach abklappern konnten. Viel Zeit hatten wir schließlich nicht eingeplant. Einmal die Fußgängerzone entlang, kommt man am Plaza de la Cultura vorbei. Der „Platz der Kultur“ ist der zentrale Platz der Stadt. Hier befinden sich das Nationaltheater, das nach dem Vorbild der Pariser Oper Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde und das Präkolumbianische Gold-Museum mit den wertvollsten Schöpfungen der Zeit vor Ankunft der Spanier. Aber auch Geschäfte, Banken und Restaurants sind am Platz angesiedelt.

Das Nationaltheater Costa Ricas
Das Nationaltheater Costa Ricas

San José ¡vive!

Vor allem aber wird hier die Brand der Stadt „San José ¡vive!“ (San José lebt!) zum Leben erweckt. Hunderte Menschen bummeln über den Platz, Straßenhändler machen sich breit, Schulklassen stromern umher, Straßenmusiker geben ihr Bestes und Wanderprediger versuchen die Menschen zu bekehren. Ein wunderbares Durcheinander!

Am Plaza de la Cultura ist immer etwas los.
Am Plaza de la Cultura ist immer etwas los.

Läuft man die Avenida Central weiter Richtung Westen, kommt man an vielen Geschäften vorbei. Teilweise sind es die großen globalen Ketten, aber man sieht auch viele kleine lokale Händler. Wir stärkten uns unterwegs etwas in einem der vielen Cafés mit Smoothies, original costa-ricanischem Kaffee und Sandwiches.

Kleine Stärkung im Spoon
Kleine Stärkung im Spoon.
Die Einkaufszone der Avenida Central
Die Einkaufszone der Avenida Central.

Irgendwann verließen wir die Avenida Central und machten uns auf einer Parallelstraße wieder auf den Rückweg. Unterwegs kamen wir an der Catedral Metropolitana vorbei, dem bedeutendsten katholischen Gotteshaus des Landes. Architektonisch ist auffällig, dass es sowohl barocke, neoklassische als auch alt-griechische Elemente in sich vereint.

Die katholische Catedral Metropolitana hinter dem Parque Central.
Die katholische Catedral Metropolitana hinter dem Parque Central.

Spaziergang durchs Barrio Amón

Nach einer angenehmen Nacht, die aufgrund der leisen Klimaanlage und der lärmdämmenden Verglasung des Balkons trotz der Straße schön ruhig war, genossen wir am nächsten Morgen das Hotelfrühstück. Dieses Mal hatten wir ein umfangreiches Buffet mit Aussicht auf das Treiben in der Einkaufsstraße. Anschließend machten uns auf zu einer kleinen Entdeckungstour ins Nachbarviertel „Barrio Amón“ mit seinen schönen Parks und alten, bunten Häusern.

Kunstvolle Szenen schmücken die Wände dieser Häuser im Barrio Amón.
Kunstvolle Szenen schmücken die Wände dieser Häuser im Barrio Amón.

Viele der Villen des Viertels entstammen der Zeit des Wohlstands der Kaffeeplantagenbesitzer. Heute ist das Barrio teilweise ein Künstlerviertel. In einigen der alten Gebäude befinden sich inzwischen Restaurants und Cafés. Außerdem gibt es Häuser in allen möglichen und schreiend bunten Farben. Direkt gegenüber des Parque España befindet sich das Außenministerium Costa Ricas. In dessen Hof steht seit 1994 ein Stück der der ehemaligen Berliner Mauer.

Das Außenministerium Costa Ricas beherbergt ein Stück der alten Berliner Mauer.
Das Außenministerium Costa Ricas beherbergt ein Stück der alten Berliner Mauer.

Zum Schluss verweilten wir noch ein wenig im Parque Morazán. Buntes Treiben charakterisiert auch diesen grünen Fleck mitten in der Stadt. Er spielt auch deshalb eine wichtige Rolle, da dort häufig Events und kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Sein Zentrum ist der Tempel der Musik (Templo de la Música), der dem Tempel der Liebe und der Musik im Schloss von Versailles nachempfunden ist. Darüber hinaus finden sich einige interessante Skulpturen in der Anlage.

Sicherheit in San José

Sicherheit ist für Backpacker ein zentrales Thema in Mittelamerika. Gerade die Hauptstädte haben einen schlechten Ruf. Costa Rica jedoch gilt als das sicherste Reiseland der Region. Und auch die Hauptstadt San José wird häufig als weniger gefährlich eingestuft. Im Großen und Ganzen konnten auch wir das so nachempfinden. Dennoch sollte man ein paar Gegenden mit Vorsicht genießen.

Insgesamt hat uns San José von Anfang an überzeugt. Schon nach den ersten Metern außerhalb des Flughafens wurde deutlich, dass Costa Rica anders ist als die anderen zentralamerikanischen Länder. Es macht sofort einen eher zentraleuropäischen Eindruck. Die Straßen sind deutlich besser und anstelle von „Chicken Busses“ sind auch die Linienbusse des öffentlichen Personennahverkehrs solcherart, wie man sie aus Deutschland kennt. (Übrigens gaben die Busfahrer Antworten mit einer „Herzlichkeit“, die sich durchaus mit denen der Berliner Busfahrer messen kann.)

An vielen Orten sorgt die costa-ricanische Polizei für Sicherheit.
An vielen Orten sorgt die costa-ricanische Polizei für Sicherheit.

Wir nahmen also den Bus vom Flughafen in die Stadt. Die Endhaltestelle liegt beim Parque La Merced. Das Terminal 7-10, von dem viele Buslinien zu touristischen Zielen abfahren, ist nur etwa acht Blocks entfernt. Selbstverständlich wollten wir für die paar Meter kein Taxi nehmen. Also schnappten wir uns unsere Rucksäcke und stiefelten los, zwei Blocks nach Osten, sechs nach Norden. Zuerst fühlte sich das auch noch mitteleuropäisch an. Wir liefen auf belebten Straßen an vielen Geschäften vorbei, bunt laut und lebendig.

Sicherheit rund um das Terminal 7-10

Als wir dann die Fußgängerzone auf der Avenida Central überquert hatten. änderte sich das jedoch Block für Block. Die Stimmung wurde subjektiv bedrohlicher. Da jedoch weder in unserem Lonely Planet noch auf den Reiseblogs, die wir gelesen hatten, hier etwas Negatives zur Sicherheit geschrieben hatten, liefen wir erstmal weiter. Es waren schließlich nur noch anderthalb Blocks bis zum Terminal, als plötzlich ein Polizist auf uns zukam. Er wollte wissen, wo wir 4 hinwollen. Wir sagten ihm, wir seien auf dem Weg zum Busterminal. Daraufhin erwiderte er energisch: „Aber hier könnt ihr nicht langgehen. Das ist zu gefährlich. Sucht Euch einen anderen Weg.“ Meinen Einwand, es seien nur noch wenige Meter, ließ er nicht gelten. Im Gegenteil, er wiederholte: „Sucht Euch einen anderen Weg. Das ist keine gute Idee. Ihr werdet bereits verfolgt.“

Er meinte es ziemlich ernst und so traten wir den Rückweg an. In der Parallelstraße überlegten wir, ob das eine Alternative sein könnte, doch es sah hier nicht besser aus und wir wurden bereits von eher zwielichtigen Gestalten komisch angesprochen. Also zurück zur Fußgängerzone und erstmal ab in ein schönes Café. Dort fragten wir nach weiteren Einschätzungen, aber das Meinungsbild war uneinheitlich. Wir brauchten einen neuen Plan.

Zum Glück hatten wir noch genug Zeit. Wir blieben zum Essen im Café und nahmen im Anschluss einfach ein Taxi. Wenn das Terminal in einer unsicheren Gegend liegt, wollten wir so wenig Zeit wie möglich dort verbringen. Letzteres war jedoch unnötig. Der Taxifahrer, ein sympathischer junger Student, erzählte uns zwar unaufgefordert, dass unser Ziel in einer sehr unsicheren Gegend liege, durch die man als Tourist auf gar keinen Fall laufen sollte. Allerdings ist das moderne Terminal an sich sehr sicher. Es liegt in einem Shopping Center und es gibt auch ausreichend Security.

Besser mit Taxi zum Terminal

Also: Unbedingt ein Taxi für die letzten Meter zum Terminal 7-10 nehmen. Das ist nicht teuer und spart unnötige Aufregung. Alles was Ihr über das Taxi fahren in Costa Rica wissen müsst, haben wir hier zusammengestellt.

Übrigens: Für die Reise nach Monteverde schickte uns unser Reiseführer zum Terminal del Atlántico Norte. Glücklicherweise wusste es unser Taxifahrer besser, denn auch die Busse von Transportes Cóbano fuhren vom 7-10 ab. Weitere Buslinien fahren von diesem Terminal z.B. nach Jacó, Montezuma / Santa Teresa, Guanacaste oder auch internationale Busse nach El Salvador oder Nicaragua.

Die charakteristischen roten Taxis der Hauptstadt San José warten auf Fahrgäste.
Die charakteristischen roten Taxis der Hauptstadt San José warten auf Fahrgäste.

Die Gegend um das Terminal war jedoch der einzige Ort, an dem wir uns unsicher fühlten. Weder in den anderen Vierteln San Josés noch an einem anderen Ort in Costa Rica haben wir uns noch einmal unsicher gefühlt. Wir waren viel zu Fuß unterwegs, hatten immer einen kleinen Rucksack dabei und die Spiegelreflex-Kamera oder unsere Smartphones in der Hand, um Fotos zu schießen. Wir haben uns dabei immer rundum sicher und gut aufgehoben gefühlt.

Auslassen oder anschauen? Wie ist Eure Meinung zu San José? Schreibt es uns in die Kommentare…


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